20210820_Wandertag

20210820_Wandertag

Logbuch

Voller Parkplatz vor dem Südeingang zum Nationalpark Skuleskogen.
Zwischen vielen PKWs etwa 50 Wohnmobile.

Alles vertreten, vom VW-Bus bis zum MAN KAT

Dieser volle Parkplatz lies Massen auf dem Wanderweg erwarten.

Also früh los, und an der ersten Weggabelung nicht die Strecke zu der angesagten und vielgeknipsten „Sehenswürdigkeit“ , Slåttdalsskrevan, sondern auf dem Pfad am Meer entlang. Die Massen kamen uns dann später auf dem Rückweg engegegen.

Nach einigen Metern bequemer Holzpfade durch den Nadelwald geht es über eine der ersten Geröllstrecken vorran.
Es folgen noch einige solcher Hüpf- und Balancierparcours in den nächsten Stunden, bergauf und bergab.

Vorsichtig, die nächsten Trittmöglichkeiten fest im Blick, bewegen wir uns über Steine und Wurzeln.

Es geht auch anders, ein Paar überholt, schwedisch schnatternd von Stein zu Stein hüpfend, im Joggertempo.
Entgegen kommen aber auch, bedächtig mit Stockunterstützung um jeden Meter kämpfende, ältere Semester.

Noch geht es zügig, ohne Gefälle, am Meer entlang.
Die Höhenlinien auf Wanderkarte und Navi kündigen baldige Abwechslung an.

Es steil bergan, wieder über Geröllfelder, dank der Steigung lassen sich jetzt bequem die Arme einsetzen, um Bäume und Felskanten als Geländer zu nutzen. Handschuhe wären jetzt praktisch oder ein Pflaster für die erste kleine Schürfwunde.

In den grossen Bergrucksäcken, die einige der entgegen kommenden Wanderer lässig über die Hindernisstrecke mitschleppen, ist für sowas sicherlich ausreichend Platz.

Im Park verteilt finden sich Übernachtungshütten mit Feuerstelle und Brennholz. Hinturnen, Grillen, Übernachten und zurückturnen. Erklärt die leeren PKWs vom vorabend auf dem Parkplatz.

Nun ist der Punkt erreicht, wo die Strecke vorwärts und zurück beeindruckend weit vom Jumper entfernt erscheint.

Inzwischen gibt es beim Anstieg auch viele Gelegenheiten die Landschaft bewusster wahr zu nehmen. Die Uhr teilt regelmässig mit, was der hechelnde Wanderer schon deutlich wahrgenommen hat.

Pause, damit der Puls wieder runter kommt vor der nächsten Höhenlinie.

Beim Laufen empfiehlt sich der Blick auf Steine, Wurzeln und Löcher, statt in die Landschaft.
Sonst wird hier aus der Wanderung schnell eine aufwändige Bergungsübung, wie ein mit professioneller Fotoausrüstung dekorierter Wanderer grinsend anmerkt. Er wandert, um zu fotografieren. Wobei er sich vor der Wanderung schon „starke Fotoserien“ von dem Gebiet angeschaut hat.

Selbst knipse ich ja nur noch mit dem Handy, Notizfotos mit Zeit und GPX-Daten zur Erinnerung, wo man wann so war. Keinerlei künstlerische oder ästhtische Ambitionen.
Es gibt schon genug perfekte Fotos von den Orten an denen man, vom Reiseführer angelockt, langstolpert.

Darüberhinaus bemerke ich schon die von Gitta Peyn beschriebene Folgen digitaler Wirklichkeitskonstruktion.

„Mit fraktalen Algorithmen schaffen Filmemacher heute Berge, die auf so manchen Zuschauer realistischer wirken als natürliche. Menschen, die große Teile ihrer Wirklichkeitskonstruktion und Wirklichkeitserwartung auf computergestützte Animationen und Filme bauen, empfinden vielleicht sogar die ehemals so monumentalen Pyramiden als klein, gar gekünstelt.“

Gitta Peyn <app://obsidian.md/Gitta%20Peyn>
www.carl-auer.de/magazin/systemzeit/wirklichkeitsemulation-zum-begriff <www.carl-auer.de/magazin/systemzeit/wirklichkeitsemulation-zum-begriff>

Gitta Peyn <app://obsidian.md/Gitta%20Peyn>
www.carl-auer.de/magazin/systemzeit/wirklichkeitsemulation-zum-begriff <www.carl-auer.de/magazin/systemzeit/wirklichkeitsemulation-zum-begriff>


Der Effekt durch Filme, und welcher aktuelle Film geht nicht durch die digitale Postproduction, mag heftig sein.
Mit Erfahrung aus der Erlebniswelt aktueller Egoshooter
Nach längeren Touren, ausgestattet mit starker Grafikkarte, durch die Höhlenwelten von Lara Croft oder die weiten Landschaften Amerikas von Red Dead Redemtion verblast schnell der schönste Landschaftsfilm.


In diesen Landschaften kann man sich scheinbar frei bewegen, auch fliegen und bei Interesse auch noch Wetter mit Regenbogen, Nebel oder Schnee abrufen.

Natürlich fehlt der unmittelbare, körperliche Eindruck, Wind, frische Luft, die Gerüche, Wärme, Kälte usw.
Aber das Gehirn laest sich auch gern täuschen.

Vor Jahren hatte ich Gelegenheit, ganz real, morgens allein durch ein hessisches Musseumsdorf mit Fachwerkhäusern zu laufen.
Nahe plätscherte ein Brunnen und ich war kurz erschrocken neben dem Brunnen nicht den erwarteten Wachposten zu finden.

Der stand in dem virtuellen Fachwerkdorf einer Simulation, in der ich damals offensichtlich zu viel Zeit mit der virtuellen Erkundung von Wachposten verbracht hatte. Niemand sonst war im Dorf.

Inzwischen bei der vielfotografierten, berühmten Schlucht angekommen. Schon beeindruckend, wenn man da drin steht. Fast so spektakulär wie bei… lassen wir das 😉

Am Ende der Schlucht, nach ungezählten Hüpfern von Stein zu Stein, führt eine Treppe zum gelb markierten Pfad Richtung Parkplatz.


Genau bis zu diesem Punkt läuft offensichtlich die Mehrheit der Besucher, trägt sich in ein Besucherbuch ein, Selfie, und dann zurück zum Parkplatz.
Die Strecke findet sich auch bei Google-Streetview zum zur Besichtigung, wie ich später entdeckte.

Jetzt also mitten im Freitagnachmittag Ausflugsverkehr.

Nur noch 2 Kilometer über Stock und Stein zurück.

Im Jumper unter die Dusche und dann erst mal lang machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.