4.3.2022 Mafra oder Krieg

Aus dem Logbuch…

Was für ein Riesenklotz.

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Ein Mulifunktionsbau: Kloster, Basilika, Palast mit 900 Schlafzimmern, grosse Bibliothek und viel Dekoration
Ein echter Bau, keine kitschige Schlossatrappe aus Beton mit vorgehängten Fassaden wie in Berlin Mitte.

In nur 13-jähriger Bauzeit, zwischen 1717 und 1730, hochgezogen.
Architekt, ein Baumeister aus Regensburg: Johann Friedrich Ludwig

45000 Arbeiter, bewacht von 7500 Soldaten, also nach heutigem Verständnis Zwangsarbeiter, haben dies ermöglicht.

Damals war Portugal mal wieder wohlhabend. Vom Staatsbankrot (1549) hatte sich die grosse Seefahrernation (Sklaven, Gewürze, Asienhandel) wieder erholt. Goldfunde in der Kolonie Brasilien verschafften die Mittel für das kleine Anwesen.

(vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A1cio_Nacional_de_Mafra <de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A1cio_Nacional_de_Mafra>)

Es gibt auch einen Roman dazu.

Die Bauarbeiten des Schlosses wurden durch den portugiesischen Literaturnobelpreisträger José Saramago  in seinem Roman „Das Memorial“ (1982) aus der Sicht des einfachen Volkes dargestellt.

Drumherum ein schöner Park und ein ruhiger Stellplatz für den Jumper.

Was will man mehr. Gutes Wetter, interessantes Bauwerk mit Geschichte und Zeit.

Realität setzt sich durch

Aber jetzt haben wir ganz real Krieg in Europa.

Aus einem für unwahrscheinlich eingeschätztem Szenario ist ein echter Krieg geworden
Statt sich nun durch die passende Lektüre zur Umgebung zu schmöckern, wandert die Aufmerksamkeit nun immer wieder zu den Schlafwandlern von Christopher Clark:

„Ein merkwürdiges Kennzeichen der Julikrise von 1914 ist der Umstand, dass so viele Schlüsselakteure sich schon seit Langem kannten.
Unter der Oberfläche unzähliger wichtiger Verhandlungen und Transaktionen lauerten persönliche Antipathien und unvergessene Kränkungen.“
Christopher Clark: „Die Schlafwandler“

Oder Herfried Münkler: „Der grosse Krieg“ , zu der Suche nach Rationalität bei Kriegsentscheidungen zum ersten Weltkrieg

Weit mehr als Hinterlist und Bosheit haben Naivität und Dummheit die deutsche Kriegszieldiskussion bestimmt. Kaum einer hat das klarer gesehen als Max Weber, der die deutsche Kriegszieldebatte als unverantwortliches Literatengeschwätz bezeichnete, wobei es sich einige «zum Geschäft gemacht» hätten, «allerhand ‹Ideen› zu fabrizieren, für welche […] die Männer da draußen bluten und sterben».
Münkler, Herfried. Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918 (German Edition) (Kindle-Positionen3039-3042). Rowohlt E-Book. Kindle-Version.

Oder man wundert sich über die eigene Unkenntnis der Ukraine und  sucht Nachhilfe bei Karl Schlögel: Entscheidung in Kiew.

PS: so einfach mit Copy&Paste hier aus dem Logbuch reinkopieren, das  mag die Mimose WordPress und generiert eigenwilige Formatierungen. Nerv.