kleine Schiffsreise

(Von meinem iPhone gesendet, daher manchmal eigenwillige Rechtschreibung)

so 2-3 Stunden Überfahrt sind, bei blauem Himmel und ruhiger See, für eine Landratte eine schöne Sache.
Ab ca 4 Stunden, besonders ohne Landsicht, wird es etwas dröge. So meine Erfahrung bei der etwas längeren Überfahrt von Spanien nach Irland. (2018?)
Damals verschwand von der Liste der Vorhaben sofort die „längere Frachrschiffreise.“

So an Deck, schön eingemummelt, aufs Meer gucken, Klasse.

Bin gespannt, wann Jumper die Ortsveränderung ohne Motor meldet.

20210728_Pernau, mal wieder, Spiegelhaus steht noch

[[Logbuch]], [[Estland]]


Auf dem Weg nach Norden zu Tallinn und Fährverbindung Finnland führt der Weg wieder durch [[Pernau]].
Hier waren wir schon auf der Tour 2019. Beim wiederholten Besuch eines neuen Ortes gibt es ja schon etwas „Übersicht“, da lassen sich manche Sackgassen vermeiden oder mit neuer Perspektive erkunden.
Eine dieser Sackgassen war eine kleine Seitenstrasse, fast versteckt, nahe genug an Parks und Strand für spontane Rundgänge, weit genug vom Rummel für ungestörte Nächtigung. Beim letzten Besuch per Zufall gefunden, das Spiegelhaus.
Es steht noch da und natürlich nach der Runde zum Parkcaffee ein Erinnerungsfoto gemacht, Selfie mit grossem Spiegel, diesmal mit blauem [[Tilley]].

aus dem Logbuch/2020kommt vom 17.8.2019:

das Spiegelhaus

Kaum eingeparkt, fällt mein Blick auf ein verspiegeltes Gartenhaus. Also keine zusammengeklebten Spiegelscherben-Sperrmüll-Bastel-Schrebergarten-Optik sondern eine ganze Fassade aus zwei grossen Spiegelflächen.

Kunstobjekt? Später mal googeln.
Erst mal Jacke, Rucksack, Schuhe für kleinen Rundgang klar machen.

Da tippeln zwei auffällig gestylte Frauen auf das kleine Haus zu, blond und brünett. Blond in bodenlangem Kleid und Highheels, Brünnet in kurzem Hosen und als Schuhwerk eine Mischung aus Sandale und Stiefel. Es gibt sicherlich einen Fachausdruck, gelegentlich mal googeln.

Aus einer Ahnung heraus habe ich gerade meine Umgebung per AirBnB gescannt und auf Anhieb das »exclusive Spiegelhaus« gefunden.

Die Damen posen inzwischen vor der Spiegelwand.
Zuhause haben die mindestens einen grossen Spiegel, vermute ich.
Jetzt sind die Handys in vollem Einsatz.
Selfie zu zweit, einzeln, Bein frei Rock zur Seite, hoch, links, rechts, Handy hoch, tiefer, über die Schulter… hab inzwischen den Laptop zugeklappt und schaue zu.

Zwischendurch wird telefoniert und ein Anwohner befragt – der Vermieter ist offenbar nicht erreichbar.

Verlasse die Show und laufe die Erkundungsrunde zu Park und Strand. Bei meiner Rückkehr liegt das Spiegelhaus verlassen da.

Wenig später parkt hinter mir der blaue BMW ein. Diesmal wird zielstrebig in Begleitung polternder Rollkoffer das Haus angesteuert. Tür auf, Einzug, Tür zu, fertig!?

Nein, Vorstellung geht weiter. Eingang ist rechts von der Spiegelwand, Aussensitzgruppe ist links vom Haus. Es sind nun sehr viele Gänge zum Transport der Abendrequisiten nötig. Da muss man an der Spiegelwand vorbei und noch schnell mal kurz eine andere Pose testen.
Hab mein Sonnenrollo runtergezogen, sonst komm hier ich zu Nichts und lerne Voyeurismus schätzen.

Morgen guck ich mir mal die Spiegelwand aus der Nähe an und mach ein Foto von dem Zausel mit dem grünen Hut.



2021-07-27 Schattenplatz

Noch in Lettland, kurz vor der Grenze zu Estland.

Der Wetterbericht verspricht nachmittags etwas Regen und Wind.
So im hier und jetzt, gleichzeitig per Nachrichten die Wasserfluten im zunehmend fernen Deutschland, eigentümlich virtuell.

Da hängt man dösend in der Hitze, guckt aufs Meer, hört Podcasts zu irgendwas und über Bande (Osteuropa – Geschichte – Integration – Politik – Wahlkampf – Wetter – Klima – Hochwasser) ist man schnell in Wolkenbrüchen und Hochwasserschäden.
Hunderte Kilometer fast allein durch endlose Wälder fahren und Diskussionen über Baumbesetzungen hören – auch unwirklich – und wir sind noch nicht in Finnland !

Also statt heute wieder der Hitze durch Rollen und Klimaanlage zu entwischen, bietet Jumper, bis ca. 14 Uhr, einen Schattenplatz am Strand.

20210723_Palanga, immer schön Abstand halten

Immer schön Abstand von den Ameisenhaufen halten, riet Marc Bielefeld in seinem Segler Buch „Wer Meer hat, braucht weniger“ [1] .
Heute haben wir einen kurzen Ausflug in so einen Ameisenhaufen gemacht.
Palanga liegt an der Litauischen Ostseeküste, hat eine lange Tradition als Seebad und einen langen Steg in die Ostsee. Und es ist Urlaubszeit, auch in Litauen.
Da der Ausflug wirklich kurz ausfallen sollte, nach einem Tip zum zentralen Parken, mit Jumper direkt ins Zentrum, 2 Euro in den Automaten für 60 Minuten und durch die Promenade direkt auf den langen Landungsteg
Schön nach langer Zeit mal wieder Meer mit Wellen und Wind zu erleben.
Ungewohnte Massen an Mensch am Strand und in den Strassen.

Einen kurzen Moment der Unruhe, vielleicht ist das jetzt hier überall schon so, wie an der deutschen Küste!?!
Natürlich Blödsinn, hier ist ein Urlaubszentrum der Region und es ist Sommerzeit.

Auf dem Rückweg zum Jumper einen grösseren Bogen um die Promenade geschlagen.

Viele frisch revovierte oder neu ausgebaute Villen.
Und einige wenige Schmuckstücke warten noch auf frische Farbe… aber dann !

Gepflegte Parks und Wege zum Strand, ausserhalb der Saison ist es hier sicherlich gut auszuhalten.

Kurze Fahrt nach Norden, über die Grenze nach Lettland, und schon ist Weite.

Dank an alle Ameisenbau-Fans für die Konzentration auf wenige Zentren.

Der Tourismus zerstört, was er sucht, indem er es findet“ Hans-Magnus Enzensberger



  1. Bielefeld, Marc: Wer Meer hat, braucht weniger Über den Rückzug auf ein altes Segelboot, 2013↩︎

2021-07-20 Lavendel Farm

Farblich abgestimmte bunte Sommerkleider, Sonnenhüte mit Schleife und am Handgelenk eine weisse Papiertasche mit Einkäufen.
Die beiden Damen gehen langsam, umtobt von aufgeregt plappernden Töchtern, natürlich passend eingekleidet, durch die Reihen der Lavendelbeete zum Ausgang.
Sieht aus wie für eine Landliebe Inszenierung bestellt.
Und wieder mal fällt mir Sekunden zu spät auf, wäre doch ein nettes Foto geworden.

2021-07-19 Grauwasser ins Cafe

LogbuchLitauen,


Langsam schiebt sich Jumper rückwärts über den Rasen auf die Terrassenplatten.
Vorsichtig zwischen Sonnenschirmen und Sitzgruppen durch die Dunkelheit manövrierend, wird eine schmale Lücke angepeilt.

Die angebotenen Zeitfenster waren, Morgens vor dem Frühstück oder Abends nach Ende des Cafebetriebs.
Als Langschläfer mit randvollem Abwassertank eine einfache Entscheidung, jetzt!

Nun nur noch die richtige Position über dem kleinen Abwasserschacht treffen. Gewöhnlich kurvt man lässig über ein Gitter und öffnet dann das Ablassventil, um die bei Sommerhitze gut durchgegorene Biobrühe los zu werden.
Diesmal kleinliches Zielen, der Strahl soll den Schacht genau treffen, nicht, ungefähr, sonst bekommen die nächsten Sitzgruppen einen neuen Duftteppich.
Die Aufforderung der Platzleitung das Grauwasser, und wenn vorhanden auch die Chemietoilette (haben wir nicht), zwischen der Café Bestuhlung abzulassen, war tatsächlich kein kommunikatives Missverständnis.

Routiniert hob der Schachtbeauftrage das Blech von der Grube, Jumper wurde nach dem ersten Proberinnsal im Licht der Taschenlampe noch etwas feinjustiert, dann plätscherten die 1oo Liter in den Schacht.

Ein toller Stellplatz, aber die Entsorgung bleibt etwas eigentümlich.

2021-07-17_Samstag

Jetzt ist es nett, es regnet und kühlt ab. Stehen im Zentrum von Vilnius, neben dem Turm, es regnet, endlich. Während sich in Deutschlands Westen die Kombination aus heftigem Regen und Stadtplanung zur Katastrophe multipliziert, war hier Grossraumsauna mit über 35 Grad.

Die letzten Tage in der Hitze haben jeglichen Entdeckungsdrang stark gedämpft.

Der Übernachtungsplatz „bei“ Trakai, nicht „in“ Trakai war optimal. Schöner Park mit wenigen Besuchern. Die wenigen Besucher zog es zu einem Platz für repräsentative Hochzeitsfotos vor einem nahen Schloss. „Užutrakis Tyszkiewicz Manor“, Manor hab ich verstanden, den Rest versuche ich erst gar nicht auszusprechen.

Google hatte schon über das schöne Schloss und den Park informiert, aber bei der Hitze reichte die Energie nur zum See. Liegestuhl ins flache Wasser und abkühlen.

Heute, ganz früh, vor der Abfahrt Richtung Vilnius, dann doch noch die 300 Meter „Wanderung“ durch den Park in Angriff genommen.

Gut dass da noch ein Rest Neugier der Hitze Widerstand leisten konnte: Ein wirklich schöner Ort:

Von der Webseite des Parks (übersetzt mit deepl)

Das Schloss mit französischen Partnern ist von einem Landschaftspark umgeben. EF Andre nutzte meisterhaft die kontrastreiche Landschaft der Halbinsel, betonte ihre Hügel mit künstlichen Felskompositionen und ergänzte die majestätische Pracht von Galvė und Skaistis mit Spiegeln von in den Senken und Sümpfen gegrabenen Teichen.
Ihre Oberflächen spiegelten jahrhundertealte Eichen und Kiefern sowie speziell ausgewählte und gepflanzte gebietsfremde Pflanzen wider.
Die Ausgrabung von mehr als 20 Teichen unterschiedlicher Größe und Form, die mit Seen oder miteinander verbunden sind, hat einen einzigartigen Park der Wasserspiegelungen hervorgebracht, nach dem die Grenze zwischen Land und Wasser, zwischen Einfallsreichtum und Realität wandernd verschwand.

Nach dem Tod des Grafen Juozapas Tiškevičius im Jahr 1917. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Užutrakis von seinem ältesten Sohn Andrius regiert. Nach der Besetzung Litauens durch die Sowjetunion wurde das Herrenhaus verstaatlicht und während des Krieges von den deutschen Besatzungsbehörden verwaltet.
Nach dem Krieg gab es ein Sanatorium für hochrangige KGB-Offiziere, später ein Pionierlager und Rasthaus sowie eine staatliche Tourismusbasis. In dieser Zeit wurde das Herrenhaus besonders beschädigt: Der ursprüngliche Plan des Schlosses wurde zerstört, der Park wurde stark deformiert und später wurde der Park aufgegeben, mit Gebäuden, die die Landschaft verdunkelten und mit der Architektur des Herrenhauses unvereinbar waren.
Heute ist das Gut Užutrakis ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung, das von der Direktion des historischen Nationalparks Trakai verwaltet und gepflegt wird. Užutrakis wird schnell wiedergeboren: Der Palast, die Nebengebäude und der Park werden restauriert – verfallene Teiche werden restauriert, Grün wird gepflegt, Skulpturen und Vasen kehren in den Park zurück und andere kleine architektonische Elemente haben ihn geschmückt.
http://www.seniejitrakai.lt/uzutrakio-dvaro-sodyba-2/

PS: manchmal ganz interessant, nicht nur hier, die englischen und litauischen Versionen der Texte zu vergleichen. Die Erinnerungen an die Zeit vor 1990 bezüglich der östlichen Nachbarn, fallen manchem etwas deutlicher aus.

20210715 Kunst, Kultur oder doch nur Dreck?

Die Parks im Baltikum sind, für einen Berlinbewohner, auffällig sauber und gepflegt.

Müll liegt tatsächlich in den Mülleimern und es sind kaum mit Spraydosen bekleckerte Bänke und Mauern zu entdecken. Räumen die hier schneller auf oder wird hier schlicht weniger Dreck gemacht?

Statt viel Aufwand mit Reinigung und Instandsetzung zu betreiben, wird in Berlin pragmatisch umdefiniert:
„Ist kein Dreck, ist Kunst!““

Beispiel gefällig?

Seit rund vier Wochen ziert der elegante Schriftzug „I ONLY SEE THE MONEY IN YOUR EYES“ einen der Neubauten auf der ehemaligen Bautzener Brache. Das Graffiti befindet sich auf der nördlichsten Fassade, die sich der Yorckstraße zuwendet. Unterzeichnet ist die Aussage mit einem kleinen A im Kreis und mit dem Namen IKAR. Den waagrechten Abschluss des senkrecht über mehrere Etagen verlaufenden Schriftzuges bildet ein kleines „FUCK“. IKAR ist das Pseudonym des Künstlers, der Teil der „Berlin Kidz“ ist.
gleisdreieck-blog.de/2018/06/26/abenteuerliche-kunst-am-bau-i-only-see-the-money-in-your-eyes/ <gleisdreieck-blog.de/2018/06/26/abenteuerliche-kunst-am-bau-i-only-see-the-money-in-your-eyes/>
Das war 2018, inzwischen wird die „Kulturentwicklung“ auch im Gleisdreieck-Blog nicht mehr ganz so begeistert gefeiert.
Erste Anwohner ertappen sich beim Wunsch nach mehr Polizeipräsenz, in Berlin Kreuzberg !

2021-07-15, Donnerstag, Litauen


Logbuch
Litauen


  • es ist heiss
  • gestern, nach dem Besuch der Wolfsschanze, weiter nach Litauen gerollt.
  • Stellplatz für die Nacht an einem kleinem Platz mit Schwimmteich angefahren und endlich Abkühlung. Klima im Jumper funktioniert, aber nervt durch Lautstärke.
  • heute, vormittags, den kleinen, zickigen Router von Huawei endlich dazu überredet, die LTE-Verbindung per WLAN zu verteilen, ohne alle 15 Minuten einzuschlafen.
  • es ist heiss

2021-07-13 Polen, wieder nicht

Polen, Logbuch


Meine bisherigen, kurzen Polenausflüge seit 1990, waren über die Jahre immer wieder etwas zwiespältig.

Schon der erste Besuch, über die gerade geöffnete Grenze von Bansin nach Swinemünde gewandert, endete beim Anblick der Innenstadt mit dem dringlichen Wunsch schnell wieder „in den Westen“ zurück zu wollen.
Bansin empfand ich schon als „Westen“!.

Ein paar Ausflüge in den folgenden Jahren, unterschiedliche Anlässe, andere Regionen. Immer wieder dieses merkwürdige Fremdeln, was wiederum auch Neugier weckt.

2019, Polen im Transit zum Baltikum durcheilt, schöne Landschaft.

Diesmal, 2021, mehr Zeit mitgebracht, [[Masuren]] auf den Plan gesetzt und in Reiseführern geschmöckert.

Es gibt Orte, da braucht es länger mit dem Wohlfühlen.

  • Morgens, beim Bezahlen der Übernachtung, kalkuliert die Dame am Empfang die Stellplatzmiete mit einem 100 % Aufschlag beim Umrechnen von polnischen Zloty in gängige Euro. Kann ja mal passieren, Rechenschwäche oder aus der Kontrolle geratene Geschäftstüchtigkeit, man weiss es nicht.
  • Wenig später auf dem Lidl Parkplatz, Beifahrerin direkt in die Halle, Fahrer nach hinten, um Zustand der TTT zu prüfen. In der kurzen Zeit, max 3 Minuten, hat es ein flinker Kontrolletti (oder KontrollettIn?) geschafft ein Ticket unter dem Scheibenwischer zu deponieren. Wert ca 25 Euro. Weit und breit niemand zu sehen auf dem übersichtlichen, weil fast leerem Parkplatz. Gut, das benachbarte Buschwerk habe ich nicht kontrolliert. 90 Minuten kann man auf dem Platz frei parken, mit entsprechendem Papierstreifen aus dem Automaten 5 Meter weiter.

Hat wieder nicht geklappt mit Polen, vielleicht beim nächsten mal. Eigentlich wollen wir ja auch noch nach Finnland.

Aber [[Allenstein]] muss noch sein, so viel drüber gelesen, Altstadtrundgang, sehr schön, aber bei der Hitze sind selbst mittelalterliche Altstädte mit Kopernikus-Denkmal nicht Bewegungsmotivierend.
Dass ist überall so, der Schreiberling schätzt sonnendurchglühte Landschaften oder auch Strände, aus der Perspektive eines kühlen Schattenplatzes oder als Bild.
Real !? nein Danke!

also nun doch lieber wieder schleunigst Richtung Nord Osten – Litauen.
Masuren vielleicht nächstes Jahr.